Schriftliche Anfrage vom 27.10.2026
Zur Schulentwicklungsplanung der Firma MODUS stellt die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN folgende Anfrage zur Behandlung im Stadtratsgremium:
1. Warum wurde kein Abgleich der Prognosedaten vorgenommen?
Die Bedarfszahlen von MODUS befassen sich nur mit der Stadt Kitzingen. Allerdings weicht die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung von der amtlichen Vorausberechnung des Bayerischen Landesamts für Statistik ab:
Bevölkerungsentwicklung für die Große Kreisstadt Kitzingen bis 2044
(Bayerische Landesamt für Statistik, April 2026)
| Kennzahl | MODUS 2026 | Landesamt für Statistik |
| Ausgangsbevölkerung | 24.010 (2025) | 22.936 (2024) |
| Prognose 2030 | 24.655 | 23.600 |
| Prognose 2040 | 25.618 | 24.700 |
| Langfristiger Prognosewert | 25.893 (2045) | 24.900 (2044) |
Beginnend mit unterschiedlichen Ausgangsdaten zieht sich konstant eine Differenz von 1000 Personen durch die Prognosezahlen. Was sind die Ursachen dieser Differenzen?
Entscheidend sind die prognostizierten Schülerzahlen, besonders wichtig die Entwicklung der 6- bis unter 10-Jährigen. Hier fällt auf, dass die amtliche Landesprognose für das Grundschulalter bis 2044 nur eine moderate Veränderung ausweist.
Das Bayerische Landesamt prognostiziert für Kitzingen zwischen 2024- 2044:
| Altersgruppe | Veränderung |
| Gesamtbevölkerung | +8,6 % |
| Kinder unter 3 Jahren | +2,5 % |
| Kinder von 3 bis unter 6 Jahren | −0,2 % |
| Kinder von 6 bis unter 10 Jahren | +2,4 % |
| Menschen ab 65 Jahren | +31,1 % |
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, Demographie-Spiegel Kitzingen 2024–2044, veröffentlicht April 2026.
Das ist ein zentraler Befund. Ein Bevölkerungswachstum von 8,6 % führt nicht automatisch zu einem ähnlich starken Wachstum der Grundschülerzahlen. Neue Einwohner sind nicht automatisch Familien mit schulpflichtigen Kindern. Ein erheblicher Teil des prognostizierten Bevölkerungswachstums betrifft ältere Menschen.
Wir würden gerne wissen,
- warum sich das Ausgangsniveau unterscheidet,
- welche Einwohnerdefinition die Grundlage bei MODUS bildet,
- wie viele Kinder im Grundschulalter diese Differenz betrifft,
- ob sich die Differenz auch in den einzelnen Schulsprengeln zeigt und
- womit MODUS die Differenzen in der Entwicklung der Schülerzahlen im Vergleich zur Landesprognose begründet.
2. Wurde die Montessori-Schule bei der Schulentwicklungsplanung berücksichtigt?
Auch die bestehende Montessori-Schule wird Grundschüler aus der Stadt Kitzingen unterrichten und somit den Bedarf einer dritten Grundschule verringern. Inwieweit ist dies bei der Schulentwicklungsplanung berücksichtigt?
3. Wie ist die Entwicklung der aktuellen Geburtenzahlen?
Die langfristigen Auswirkungen hängen erheblich von Zuwanderung und Geburtenannahmen ab. Diese sind ein erheblicher Unsicherheitsfaktor.
Auf Folie 5 zeigt MODUS für Kitzingen 2025 lediglich 178 Geburten. Für die Bevölkerungsmodellierung auf Folie 9 wird dagegen ein Ausgangswert von 198 Geburten verwendet. Das ist eine Differenz von 20 Geburten beziehungsweise etwa 11 % bezogen auf die tatsächlichen 178.
Der starke Rückgang von 225 Geburten im Jahr 2024 auf 178 im Jahr 2025 kann ein einmaliger Ausschlag sein. Sollte er jedoch Teil einer längerfristigen Entwicklung sein, hätte das unmittelbare Auswirkungen auf die Einschulungen ab 2031. Für die Kaufentscheidung im Hinblick auf eine dritte Grundschule wäre deshalb eine zusätzliche Prognoserechnung sinnvoll, welche die neuesten Geburtenjahrgänge des Jahres 2026 berücksichtigt.
4. Wie verhalten sich die Klassenstärken zum tatsächlichen Raumbedarf?
MODUS berechnet auf Folie 19 die zukünftigen Klassenzahlen unter der Annahme, dass die Klassenstärken denen des Schuljahres 2025/26 entsprechen. So ergibt sich eine planerische Durchschnittsgröße von etwa
21 Kindern pro Klasse (näherungsweise aus 895 Schülerinnen und Schülern und 42 Klassen). Das ist als Modellannahme nachvollziehbar, aber die verbindliche rechtliche Kapazitätsgrenze sieht in Bayern2025/26 an Grundschulen eine Höchstschülerzahl von 28 Kindern pro Klasse. Hilfreich wäre eine Rechnung mit mehreren zulässigen Klassenbildungsvarianten und den tatsächlichen Jahrgangsstärken und unter Berücksichtigung der Integrations- und Förderbedarfe.
Wir bedanken uns im Voraus für die Beantwortung unserer Fragen.
Schulentwicklungsplanung für die Stadt Kitzingen – Präsentation der Firma MODUS, Bamberg