Mögliche dritte Grundschule in den Marshall Heights: langfristige Finanzierbarkeit, Alternativenprüfung, fehlende Unterlagen, Begehung der Klassenzimmercontainer

Klassenzimmercontainer, Grundschule Kitzingen-Siedlung
Eva Trapp | Klassenzimmercontainer, Grundschule Kitzingen-Siedlung

ANTRAG vom 27.10.2026 zur unterstützenden Entscheidungsfindung

Braucht Kitzingen tatsächlich eine 3. Grundschule oder sind temporäre Lösungen wirtschaftlicher, um den zu erwartenden Peak an Schülerzahlen - um das Jahr 2030 herum - abzufangen? Wir wollen, dass der Stadtrat im Hinblick auf die desolate Haushaltslage alle notwendigen Informationen erhält, um eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen. Dabei schließen wir zum heutigen Zeitpunkt keineswegs aus, dass wir dem Kauf der sanierungsbedürftigen alten Schule in den Marshall Heights letztendlich zustimmen, sollten wir es als beste Lösung erachten. Die Lage in dem sich entwickelnden Stadtteil ist auf jeden Fall ideal. Nach aktuellem Kenntnisstand sind für uns aber noch viel zu viele Fragen offen – im Hinblick auf die Prognosezahlen, als auch auf den baulichen und energetischen Zustand der Gebäude, die  Fördermöglichkeiten und die zu erwartenden Kosten. Das Stadtsäckl ist leer. Wir müssen als Stadtrat sehr genau schauen, wie wir mit den Finanzen verantwortungsvoll umgehen! Wir wollen nicht „die Katze im Sack kaufen“, weil Sanierungs-, Begleit- und Unterhaltungskosten vorab nicht berücksichtigt wurden. Wir sehen auch die Gefahr, das eine derart große Investition andere Zukunftsprojekte der Stadt unmöglich macht!

Die Zahlen der Schulentwicklungsplanung zeigen nachweislich erforderlichen Schulraumbedarf bzw. Kapazitätsplanung, insbesondere für die kommenden Jahren. Sie werfen aber auch die Frage auf, ob ein kurzfristiger Höchstbedarf dauerhaft durch ein neues Schulgebäude abgedeckt werden sollte oder ob eine flexible Lösung langfristig wirtschaftlicher sein könnte. Wir halten eine Wirtschaftlichkeitsrechnung über mindestens 25 bis 30 Jahre für angemessen.

Eine dritte Grundschule in den Marshall Heights besticht durch den Standort, wir sehen allerdings noch keine wirtschaftlich belastbare Notwendigkeit einer dritten eigenständigen Grundschule. Angesichts der angespannten Haushaltslage sowie der drohenden massiven Erhöhung der Kreisumlage infolge der Anhebung der Bezirksumlage muss vor einer langfristigen Investitionsbindung insbesondere der Nachweis erbracht werden, dass wirtschaftlichere und ausreichend leistungsfähige Alternativen nicht zur Verfügung stehen.

Ein Vergleich Kauf und Sanierung gegenüber Neubau fand bisher noch nicht statt. Trotz aus unserer Sicht etwas übereilter Festlegung auf den Standort Marshall Heights, bitten wir zu berücksichtigen: Mit den Flächen am Steigweg ist die Stadt bereits Eigentümerin von als Schulstandort geeigneter Flächen, so dass – im Gegensatz zum Grundstück in den Marshall Heights – hier keine nicht förderfähigen Grundstückskosten anfallen. Auch das Baurecht wäre u.E. durch die Nutzung des beschleunigten Verfahrens (Bau-Turbo) kein zeitlich limitierender Faktor. Unter Nutzung des vorhandenen Gebäudebestands könnte hier eine nachhaltige, dem Bedarf jederzeit anpassbare Modullösung umgesetzt werden. In Modulbauweise sollte ein Schulgebäude in 1-2 Jahren bezugsfertig sein.

Auch die Erweiterung der bestehenden Anlage an der Siedlungsgrundschule ist aus Sicht des Schulentwicklungsplaners nicht ausgeschlossen, die Containeranlage müsste nur aufgestockt werden.

Zudem ist mit der Förderung der Maßnahme (Ankauf Schule) eine 25-jährige Zweckbindung verbunden. Diese Zweckbindung ist bei temporären Maßnahmen wie Nutzung von Schulcontainern nach Ziff. 4.2 Satz 2 FAZR auf 10 Jahre zu verkürzen und ermöglicht so eine wesentliche flexiblere Reaktion auf sinkende Schülerzahlen.

Containerlösungen sollten keine Dauerlösung sein, doch heutige Klassenzimmer-Container sind eine solide temporäre Lösung – modern ausgestattet und in der Regel bei Verbrauch, Raumklima, Luft, Hitzeschutz, Akustik und schneller Bedarfsanpassung vorteilhafter und auch nachhaltiger als „feste Baukörper“. Ein moderner Modulbau schlägt ein unsaniertes Klassenzimmer aus den 60er oder 70er Jahren – die ehemalige amerikanische Schule wurde sogar schon 1947(!) eröffnet.

Deshalb stellt die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN folgenden Antrag:

  1. Zu einer genauen Prüfung eines möglichen Ankaufs des alten Schulgebäudes in den Marshall Heights soll die langfristige Finanzierbarkeit inkl. aller voraussichtlich erforderlichen Investitions-, Begleit – und Betreiberkosten als ausdrückliches Entscheidungskriterium aufgenommen werden.
  2. Die Alternativen eines Neubaus in Modulbauweise am Steigweg – unter Nutzung des vorhandenen Gebäudebestands – sowie die Aufstockung der Container in der Siedlungsgrundschule sind zu prüfen.
  3. Dem Stadtratsgremium sollen neben dem bereits beschlossenem nachzureichenden Sanierungsgutachten folgende Unterlagen zur Verfügung gestellt werden, die uns bisher nicht vorliegen: Verkehrswertgutachten des Gutachterausschusses / Gutachten zu Schadstoffen/Altlasten / Energieausweis für alle anzukaufenden Gebäude
  4. Damit sich jeder ein umfassendes Bild von den temporären Schulcontainern machen kann, wird dem Stadtratsgremium eine gemeinsame Vor-Ort-Begehung ermöglicht. Besichtigt und betreten werden die Klassenzimmer-Container in der Siedlungsgrundschule als auch an der St. Hedwig Schule. Wünschenswert wäre das Zugegensein eines Experten sowie von Lehrkräften, die Auskunft zu den Lernbedingungen im Container geben können. Im Sinne der kinderfreundlichen Kommune sollten ggf. auch Schüler und Schülerinnen einbezogen werden.

Wir hoffen, durch die ergänzenden Informationen gemeinsam eine tragfähige Lösung zu finden und bitten um Zustimmung zu unserem Antrag.