GRÜNER Experte auf dem Feld der Batterieforschung

Dr. Victor Trapp beim Info-Tag „E-Mobilität „Ausweg oder Irrweg“ in Volkach zum Thema Umweltbelastung

Am 15.09.2019 veranstaltete der Ortsverband GRÜNE Volkach einen umfassenden Informationstag zum Thema Elektromobilität. Einer der Hauptredner im vollen Saal des katholischen Pfarramtes war Dr. Victor Trapp vom Fraunhofer Institut Würzburg, aktives Mitglied in unserem GRÜNEN Ortsverband Kitzingen. Dr. Trapp ist Experte auf dem Gebiet der Batterieforschung, international bestens vernetzt und sitzt in verschiedenen EU-Gremien mit am Tisch. In Volkach befasste er sich mit der in letzter Zeit häufiger auftretenden Kritik an der Umweltbelastung durch die Batterieproduktion. Er stellte sich den Fragen interessierter Bürger hinsichtlich der Themen Umwelt-Ausbeutung und Batterie-Recycling.

Dr. Trapp verdeutlichte zunächst sehr anschaulich die Komplexität des Themas Batterie-Herstellung für E-Autos. Er erklärte, dass bei Batterien – wie bei jedem andern industriellen Produkt – in jeder Phase des Lebenszyklus Emissionen anfallen: Bei der Rohstoffgewinnung, im Verarbeitungsprozess, bei der Produktherstellung, während der Nutzung und bei der Entsorgung sowie dem Recycling. Dass die direkten Emissionen im Einsatz eines Elektrofahrzeuges gen Null gehen, sei allgemein bekannt, wie jedoch sähe es bei den anderen Phasen aus und welche CO2-Bilanz steht am Ende der Akku-Produktion?

CO2-Emissionen im Batterie-Lebenszyklus

Der Experte bestätigte, dass die vorgelagerten Emissionen (in allen Phasen vor der eigentlichen Nutzung des Fahrzeuges) in der Tat höher seien als im Vergleich zum Benziner. Im Laufe des Nutzungszeitraumes eines Elektroautos greife dann immer stärker der Emissions-Vorteil bei der Nutzung. Dieser Effekt wird vor allem beim Betrieb von Elektroautos mit Ökostrom aus regenerativen Quellen deutlich.

Die anfangs höheren Emissionen seien auch dem Umstand geschuldet, dass in der Batteriefertigung noch zu selten Ökostrom verwendet werde. Doch führende Pioniere bei der Batteriezellenfertigung, etwa Tesla, arbeiten bereits fast ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen. Entsprechende neue grüne Batterie-Standards für die E-Mobilität werden aktuell in Europa festgelegt. Wenn diese erstmal in Europa – bei der Fertigung von Batteriezellen, als auch beim Recycling – umgesetzt seien, bekämen einige etablierte Hersteller „ein Problem und müssen sich bewegen!“. Europa werde hier Vorreiter sein und setzt auf strengere Standards und auch Forschungsgelder, um diese Ziele zu erreichen.

Rohstoffgewinnung

Dass die Gewinnung der Rohstoffe für die Batterien in einigen Ländern zur Zeit noch nicht optimal sei, bestätigte Dr. Trapp: „Das Cobalt stammt teilweise aus fragwürdigen Quellen“. Allerdings sei die Situation auch nicht so negativ, wie häufig dargestellt. Es gäbe bereits umfangreiche und ganz konkrete Bestrebungen und Partnerschaften auf europäischer und internationaler Ebene, die verstärkt darauf achten, dass die Gewinnung von Cobalt und Lithium sozial- und umweltverträglich abläuft. Aktuelles Beispiel: in Chile gibt es eine staatliche Förderung für die umweltfreundliche Gewinnung von Lithium. Man dürfe „die Probleme nicht kleinreden“, dennoch sei er sehr zuversichtlich, dass es eine positive Entwicklung geben wird.

Recycling

Laut Dr. Trapp gibt es bereits heute moderne Verfahren für das Recyling von Batterien. Allerdings sei die Fragestellung relativ jung und heutige Batterien deswegen noch nicht für den Recycling-Gedanken gebaut, so dass das Auseinandernehmen der Akkus relativ aufwändig und teuer sei. Außerdem halten die Batterien meistens länger als prognostiziert und es gäbe aktuell nur geringe Mengen zum Recycling. Dies habe zur Folge, dass sich die Optimierung des Batterierecyclings bisher kaum lohne. Doch dank neuer gesetzlicher Vorgaben und technologischer Entwicklungen – Stichwort „Design for recycling“ – zeigte sich der Experte sehr optimistisch, dass effizientes Recycling von Lithium-Ionen-Batterien in 5 Jahren längst Standard sein wird.

Ausblick

Der Batterieexperte informierte darüber, dass Cobalt in der zukünftigen Batterieproduktion eine geringere Rolle spielen werde und auch andere Teile der Akkus immer mehr verbessert würden. Dr. Trapp setzt stark auf die nächste Generation der Lithium-Ionen-Batterie, die Festkörper-Batterie. Diese wird sich durch eine intrinsische Sicherheit (nicht brennbar) und doppelte Energiedichte – und somit auch Reichweite- auszeichnen. Wie andere Referenten wies aber auch er darauf hin, dass die heutigen Reichweiten für den Großteil aller Fahrten vollkommen ausreichend seien und ein „Mehr an Reichweite“ auch zu bezahlen sei. Man solle also nicht darauf warten, dass neue, noch reichweitenstärkere Batterien auf den Markt kommen, da schon die heutigen Produkte in den meisten Fällen mehr als ausreichend seien.

Dass „nach über 100 Jahren die Elektrifizierung endlich wieder unter der Motorhaube ankommt“ erfreut den Wissenschaftler. Er beendete damit seinen Vortrag über die Umweltbelastung von Elektroautos.

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